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30. Juli 2026

Barrierefreiheit für Webseiten: Für wen ist das seit 2025 Pflicht?

Barrierefreiheit

Erfahren Sie, was unter Barrierefreiheit im digitalen Raum zu verstehen ist, welche Anforderungen das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) stellt – und für wen diese gelten.

Machen Sie den Selbsttest: Sind Sie als Anbieter zur Umsetzung barrierefreier Angebote verpflichtet?

Illustration von Menschen mit technischen Geräten, die Barrierefreiheit symbolisieren; daneben Text über digitale Inklusion.
Nadine Schubmann
Nadine Schubmann
Solution Consultant
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Mit dem Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) setzt Deutschland die europäische Barrierefreiheitsrichtlinie um. Seit dem 28. Juni 2025 gelten damit erstmals verbindliche Anforderungen an die Barrierefreiheit auch für private Unternehmen. Wie das Gesetz mit anderen Regelungen zusammenhängt, erfahren Sie in unserem Blogartikel.

Doch was bedeutet Barrierefreiheit? Welche Produkte und Dienstleistungen fallen unter das BFSG? Ist Barrierefreiheit für alle Websites Pflicht? Für wen gilt das Barrierefreiheitsgesetz und welche Unternehmen sind davon befreit? Wir beantworten in diesem Blogbeitrag Ihre Fragen zum Barrierefreiheitsgesetz in Bezug auf Ihre Unternehmenswebsite.

Einführung: Was ist Barrierefreiheit?

Barrierefreiheit bedeutet nach dem BFSG, dass Produkte und Dienstleistungen für Menschen mit Behinderungen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe auffindbar, zugänglich und nutzbar sind.

Für barrierefreie Websites gilt, dass alle Inhalte für jeden Nutzer erkennbar, leicht verständlich, leicht bedienbar und robust sein müssen. Wie diese vier Prinzipien umgesetzt werden können, zeigen wir in unserem Blogbeitrag zu den Grundlagen zu digitaler Barrierefreiheit.

Barrierefreiheit: Für wen gilt die Pflicht?

Seit dem 28. Juni 2025 müssen die im BFSG genannten Produkte und Dienstleistungen barrierefrei sein, wenn sie sich an Verbraucher*innen richten.

In der Kategorie Produkte zählen dazu:

  • Computer, Notebooks, Tablets, Smartphones, Mobiltelefone
  • Geldautomaten, Zahlungsterminals, Fahrausweis- und Check-in-Automaten
  • Fernsehgeräte mit Internetzugang
  • E-Book-Lesegeräte
  • Router

In der Kategorie Dienstleistungen gehören dazu:

  • Telefondienste
  • E-Books
  • Messenger-Dienste
  • auf Mobilgeräten angebotene Dienstleistungen (inklusive Apps) im überregionalen Personenverkehr
  • Bankdienstleistungen
  • elektronischer Geschäftsverkehr
  • Personenbeförderungsdienste (für Stadt-, Vorort- und Regionalverkehrsdienste nur interaktive Selbstbedienungsterminals)

Für Websites heißt das: Ihre Website oder App muss barrierefrei sein, wenn Verbraucher*innen darüber einen Vertrag mit Ihnen abschließen können – egal, ob Sie Waren oder Dienstleistungen verkaufen. Das BFSG nennt das „Dienstleistungen im elektronischen Geschäftsverkehr“. Betroffen sind zum Beispiel Online-Shops, Buchungsportale und Online-Banking. Eine reine Informationswebsite ohne Bestell- oder Buchungsmöglichkeit fällt in der Regel nicht darunter, ebenso wenig ein reiner B2B-Shop.

Übrigens: Für die genannten Produkte gelten eigene Anforderungen an Hersteller, Importeure und Händler. Die Pflicht für Ihre Website ergibt sich dagegen aus dem Online-Verkauf an Verbraucher*innen – unabhängig davon, was Sie verkaufen.

Ist Barrierefreiheit nach dem BFSG für mich verpflichtend?

Anhand des Schaubildes können Sie überprüfen, ob Sie verpflichtet sind, die Barrierefreiheitsanforderungen des BFSG zu erfüllen.

Überprüfen Sie anschließend noch, ob Sie grundsätzlich von der Erfüllung der Barrierefreiheitsanforderungen ausgenommen sind. Dazu zählen Kleinstunternehmen, die Dienstleistungen erbringen und weniger als 10 Personen beschäftigen und einen maximalen Jahresumsatz von 2 Mio. € beziehungsweise eine maximale Jahresbilanzsumme von 2 Mio. € erwirtschaften. 

Falls dies nicht der Fall ist, gibt es zwei Ausnahmen, bei denen Sie Barrierefreiheitsanforderungen nicht erfüllen müssen – allerdings nur, soweit die Ausnahme tatsächlich reicht.

Wenn Sie sich auf eine der beiden Ausnahmen berufen, müssen Sie Ihre Beurteilung dokumentieren, fünf Jahre lang aufbewahren und die zuständige Marktüberwachungsbehörde unverzüglich informieren. Für Kleinstunternehmen gelten dabei Erleichterungen.

Ausnahme 1: Grundlegende Veränderung des Produkts oder der Dienstleistung

Die Barrierefreiheitsanforderungen gelten nicht, soweit ihre Erfüllung eine wesentliche Änderung erfordern würde, die die Wesensmerkmale des Produkts oder der Dienstleistung grundlegend verändert. Kurz gesagt: Barrierefreiheit muss nicht dazu führen, dass Ihr Angebot im Kern etwas anderes wird.

Ausnahme 2: Unverhältnismäßige Belastung

Die Anforderungen gelten außerdem nicht, soweit sie für Sie eine unverhältnismäßige Belastung bedeuten würden. Ob das zutrifft, bewerten Sie anhand fester Kriterien aus dem Gesetz – vor allem anhand der Kosten für die Barrierefreiheit im Verhältnis zu Ihren Gesamtkosten und Ihrem Umsatz sowie des Nutzens für Menschen mit Behinderungen.

Ein Freibrief ist diese Ausnahme nicht: Als Dienstleister müssen Sie die Bewertung mindestens alle fünf Jahre und bei jeder Änderung Ihrer Dienstleistung wiederholen. Erhalten Sie fremde Mittel zur Verbesserung der Barrierefreiheit, etwa Fördermittel, können Sie sich nicht auf diese Ausnahme berufen. Wenn Sie davon ausgehen, dass sie auf Sie zutrifft, lassen Sie sich am besten rechtlich beraten.

Übergangsfristen und Bußgelder

Für einige Fälle gibt es Übergangsfristen bis zum 27. Juni 2030: Dienstleister dürfen Produkte weiter einsetzen, die sie bereits vor dem 28. Juni 2025 genutzt haben, und ältere Verträge dürfen bis zu ihrem Ende unverändert weiterlaufen – höchstens bis zu diesem Datum. Für Selbstbedienungsterminals gelten längere Fristen.

Außerdem müssen manche ältere Inhalte nicht nachträglich barrierefrei werden, etwa Videos und Office-Dokumente, die vor dem 28. Juni 2025 veröffentlicht wurden, oder Archivinhalte, die seitdem nicht mehr bearbeitet werden.

Die Einhaltung kontrollieren die Marktüberwachungsbehörden der Länder – auch stichprobenartig ohne konkreten Anlass. Verstöße können mit Bußgeldern von bis zu 100.000 Euro geahndet werden.

Barrierefreiheitsverpflichtung nach BITV für öffentliche Stellen

Die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV 2.0) verpflichtet öffentliche Stellen des Bundes, ihre Websites, mobilen Anwendungen und digitalen Verwaltungsprozesse barrierefrei zu gestalten. Für Landesbehörden und Kommunen gelten die Gesetze und Verordnungen der jeweiligen Bundesländer. Die BITV 2.0 basiert auf der EU-Richtlinie 2016/2102. Technischer Maßstab ist die Norm EN 301 549 und damit derzeit die WCAG 2.1 auf Level AA; die im September 2026 erschienene neue Fassung der Norm basiert auf der WCAG 2.2. Dazu gehören unter anderem die barrierefreie Darstellung von Texten, Bildern, Videos und Formularen sowie eine nutzerfreundliche Navigation. Zudem müssen öffentliche Stellen eine Barrierefreiheitserklärung veröffentlichen und eine Feedback-Möglichkeit für Nutzer*innen bereitstellen.

Auch ohne Pflicht: Investitionen in Barrierefreiheit lohnen sich

Auch bei Produkten und Dienstleistungen, die nicht unter das BFSG fallen, lohnt es sich, in die Umsetzung von Barrierefreiheit zu investieren. Unternehmen, die barrierefreie Dienstleistungen anbieten, erreichen größere Absatzmärkte und sichern sich damit Wettbewerbsvorteile. Sie sind auch gut für die Zukunft aufgestellt, denn sie werden künftig mit zur Barrierefreiheit verpflichteten Unternehmen konkurrieren, die mit innovativen barrierefreien Produkten und Dienstleistungen am Markt sein werden. 

Auch was Barrierefreiheit im Web angeht, lohnt es sich, vorzeitig in einen zugänglichen Internetauftritt zu investieren. Mit unserer Checkliste zeigen wir Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie Ihre Website barrierefrei gestalten können, um von diesen Vorteilen zu profitieren.

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